Die Geschichte der Chemischen Fabrik Kalk GmbH

Dr. Herrmann GrünebergDer Kaufmann Julius Vorster sowie der Chemiker und Apotheker Hermann Julius Grüneberg gründeten am 1. November 1858 die Chemische Fabrik Vorster & Grüneberg, Cöln. Grüneberg war es gelungen, Kalisalpeter durch Umsetzen von Natronsalpeter und Kaliumkarbonat herzustellen. Er hatte außerdem ein Verfahren entdeckt, das die fabrikmäßige Herstellung von Kaliumchlorid aus Abraumsalzen ermöglichte. 

Das Fachwissen von Grüneberg und seine Erfahrungen aus einer eigenen kleinen Kalisalpeter- und Sodafabrik in Stettin, zusammengebracht mit dem Marktgespür und der Initiative des Kaufmanns Vorster, waren somit der fruchtbare Boden für eine rasche und erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens.

Die Fabrikation von Kalisalzen lief im Jahr 1860 im Dörfchen Kalk an. Dr. Grüneberg ließ Abraumsalze aus einer alten Saline bei Staßfurt per Bahn nach Kalk transportieren. Hier wurden sie in Holzbottichen mit Dampf gelöst und aus der Lösung nach Abkühlung wieder auskristallisiert.

Die so entstandenen Zwischenprodukte wurden wiederum so lange gelöst und auskristallisiert, bis man reines Kaliumchlorid hatte. Das war die erste fabrikatorische Verarbeitung roher Kalisalze und damit der Anfang der deutschen Kali- und Düngemittelindustrie.

Julius VorsterDr. Grüneberg und Julius Vorster erkannten schon frühzeitig, dass der Landwirtschaft neben Kalium und Phosphor auch Stickstoff enthaltene Komponenten angeboten werden musste. So kamen 1865 erstmals Ammonsulfat und Superphosphat ins Programm und damit auch der erste industriell hergestellte Mischdünger auf den Markt.

Von dem im April 1892 verkündeten Reichsgesetz über eine neue Gesellschaftsform mit beschränkter Haftung machten Vorster und Grüneberg bereits drei Monate später praktischen Gebrauch mit der Umwandlung ihrer Firma in die Chemische Fabrik Kalk GmbH (CFK). Sie ist damit eine der ersten und ältesten deutschen Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit unverändertem Namen überhaupt.

Trotz großer Erfolge der Düngemittelabteilung wurden Schwerchemikalien wie Kalisalpeter, Pottasche, Natriumsulfat, Salmiakgeist und Ammoniaksalze die eigentlichen Gewinnbringer des Unternehmens.

Kurz nach der Jahrhundertwende begann die Sodaherstellung nach dem Ammoniakverfahren. Schon damals wurden riesige Mengen Soda zur Fabrikation von Glas, Waschmitteln, Zellstoff, Kunstseide usw. gebraucht.

1859

Im Frühjahr 1920 ging Alfred Vorster mit dem Chefchemiker des Stinnes-Konzerns, Dr. Alfred Pott, eine Vereinbarung ein, nach der sich die CFK der Weiterverarbeitung von angekauftem Ammoniak zu fertigen Düngemitteln und deren Absatz an die Landwirtschaft widmete.

Inzwischen war dem Versuchslabor mit der Vollammonisierung von Superphosphat die Grundlage für den Kamp-Dünger gelungen (Kamp = Abkürzung für Kalk-Ammon-Phosphat). Der „Kamp-Dünger“ fand bei den Landwirten großen Anklang. Zeitweise konnte die Lieferung mit dem Bedarf nicht Schritt halten. Die Produktion stieg von Jahr zu Jahr.

Der wenig später beginnende Zweite Weltkrieg machte alle Pläne vorerst zunichte. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bestimmten kriegsvorbereitende Maßnahmen das Handeln des Unternehmens. Schon 1942, bei den ersten Bombenangriffen der Alliierten auf Köln-Kalk, nahmen die Produktionsanlagen schweren Schaden. Das Werksgelände in Köln-Kalk wurde zu 80 Prozent zerstört.

Zweckmäßigerweise ging man nach dem Krieg zunächst daran, brauchbare Bauteile der schwer zerstörten Anlagen auszubauen und die so gewonnenen Materialien in weniger beschädigte Betriebsbereiche einzubauen.

Ab 1946 konnten dann die ersten Tonnen Ammonsulfat ausgeliefert werden, und 1949 lief die Sodaproduktion wieder an.

Bereits 1950 hatte die CFK ihr altes Produktionsvolumen wieder erreicht. Im selben Jahr beteiligte sich ein großer deutscher Montanbetrieb, die Salzdetfurth AG, mit 25 % an der CFK. 1957 erhöhte die Salzdetfurth AG ihre Anteile auf 75 %, und 1960 übernahm sie alle Anteile.

In den letzten 1950er und in den ersten 1960er Jahren entwickelte und produzierte die CFK die Futterphosphate Di- und Monocalciumphosphate, später auch Mischphosphate, die in Tierfuttermischungen zur Phosphor-Ergänzung Verwendung fanden. CFK war damals einer der größten Hersteller von Futterphosphaten in der BRD. Im Jahr 1982 übernahm die BASF den Vertrieb dieser Phosphate.

Weitere neue Produkte in den ersten 1960er Jahren waren flüssige Blumen- und Gartendüngemittel, die erst unter dem Namen Dr. Glücks Blumenpflege und später über die COMPO GmbH vertrieben wurden.

CFK 1971 Anfang der 1960er-Jahre wurde mit der Herstellung von Bromverbindungen versucht, auf dem Gebiet der Feinchemie neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die 1982 durch einen Brand zerstörte Produktionsanlage für Bromverbindungen wurde wieder aufgebaut; allerdings wurde dieser junge Geschäftsbereich 1985 veräußert.

1971 fusionierte die Salzdetfurth AG mit der BASF-Tochter Wintershall AG. Ein Jahr später wurde die Gesellschaft in die Kali und Salz AG umgewandelt.

Kurz nach der Übernahme durch die BASF begann die CFK, zusätzlich Blumen- und Gartendüngemittel zu produzieren, die über die COMPO GmbH vertrieben wurden.

Fortschreitende Automatisierung von Betriebsabläufen und Modernisierung von Anlagen bedingten eine Reduzierung der Belegschaft in den 1970er Jahren.

Werksansicht(

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In den folgenden Jahren erschloss die Konfektionierung von Calciumchlorid zu Montanprodukten den Markt für Staubbindemittel im Bergbau. In neuen Anlagen erfolgte die Herstellung von hochreinem Calciumcarbonat wie reinem Calciumchlorid nach Europäischem Arzneibuch (PhEUR).

1988 wurde auch die Düngemittelproduktion beendet. Die Produktion von Calciumchlorid und Soda wurde Ende 1993 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. 1994 waren alle Betriebsteile stillgelegt. Alle Gebäude und Anlagen auf dem Betriebsgelände wurden in den folgenden Jahren zurückgebaut und das Grundstück nach seiner Sanierung verkauft.

Seit der Produktionseinstellung arbeitet die CFK erfolgreich als Handelshaus für Basischemikalien (Säuren, Laugen und Feststoffe) mit verschiedenen europäischen Produzenten zusammen und vertreibt ihre Produkte schwerpunktmäßig in Deutschland und dem angrenzenden europäischen Ausland.